Zum Ende der Quing Dynastie war China schwach und politisch zerrüttet. Zusätzlich zur Unterdrückung litt das Land unter einer Naturkatastrophe nach der anderen. Die Chinesen wurden auf Grund ihrer miserablen wirtschaftlichen Verhältnisse als Invaliden angesehen.

Shanghai war in dieser Zeit durch seine meernahen Lage zum Hauptverteilungspunkt für ausländische Konzessionen und Siedlungen geworden. Viele Ausländer nannten die Chinesen „die kranken Männer Asiens“. Sätze wie “keine Hunde und Chinesen erlaubt“ waren weit verbreitet unter Ausländern, die viele Gebiete in China zwangsokkupierten. Zahlreiche ausländische Kampfkunstschulen, wie Western-Boxing und japanische Kampfkünste, die nach China kamen, verschlimmerten die Situation zusätzlich. Sie forderten die verschiedenen Kung Fu - Schulen heraus und besiegten sie in Kämpfen. Dem wurde auch durch die Tradition unter den Kung Fu – Meistern, ihre Fähigkeiten nur an wenige Schülern weiter zu geben, nicht abgeholfen. Kung Fu war auf einige Ausgewählte beschränkt. Gaben die wenigen ihr Können an niemanden weiter, gingen die Künste verloren. Aufgrund dessen verschlechterte sich der Standart des Kung Fu in China über Jahre stetig.



Meister Huo Yuan Jia (ca.1867-1909), den man auch den „gelbgesichtigen Tiger“ nannte, war das 4. Kind in einer Familie von 10 Brüdern und Schwestern und wurde im Dorf Xiao Nan He am Rand von Tianjin geboren. Sein Vater, Huo EnDi, war ein bekannter Kampfkünstler der als Bodyguard für Karawanen arbeitete, die nach Norden reisten, aber die Haupteinnahmequelle der Familie war die Landwirtschaft. Das praktizieren der Kampfkunst hatte in der Familie eine lange Tradition. Huo Yuan Jialitt in seiner Kindheit unter Gelbsucht, sodass sein Vater sich weigerte, ihn zu unterrichten. Stattdessen ermutigte ihn sein Vater, Gelehrter zu werden. Sein Vater stellte einen japanischen Lehrer (Chen Seng Ho) an, der als Gegenleistung dafür, dass dieser ihn den Familienstil des Mizong lehrte,  Huo Yuan Jia Werte wie Bescheidenheit und Ausdauer lehrte. Huo EnDi unterrichtete stetig nur seine Brüder und andere Schüler in Kung Fu. Da der junge Huodas Trainingsverbot nicht akzeptieren wollte, schaute er im Geheimen zu und trainierte allein über die nächsten 10 Jahre.

Im Jahre 1890 kam ein Fremder beim Haus der Familie vorbei und nachdem er eine Kung FuDarbietung von einem der jüngeren Brüder Huo´s gesehen hatte, provozierte er diesen zu einem Kampf und gewann. Zur Überraschung der Familie stand  Huo Yuan Jia auf und bezwang den Fremden. Die nächsten Jahre arbeitete Huo zusammen mit seinem Vater. 

Huo Yuan Jia begann mit seinem Vater als Begleitschutz zu arbeiten. Als sie auf einer Eskorten eine Gruppe von Mönchen begleiteten, trafen sie auf den Banditenanführer namens Zhao, der ihnen einen Brief übergab, in dem den Mönchen mit einem Überfall durch seine Armee gedroht wurde. Unbeeindruckt nahm Huo Yuan Jia die Herausforderung für die Mönche an. Er besiegte ihn, wobei er den Banditen beide Arme verletzte. Daraufhin zerstreute sich dessen Armee. Schnell war diese Tat allen Leuten bekannt. Infolge kämpfte Huo Yuan Jia erfolgreich gegen zahlreiche Kung Fu Kämpfer und sein Name gewann an Bekanntheit.

1901 soll ein russischer Wrestler nach Tianjin gekommen sein, der behauptete der stärkste Mann der Welt zu sein. Er beleidigte die Chinesen, weil scheinbar niemand mit ihm kämpfen wollte. Huo YuanJia nahm die Herausforderung an, doch der Wrestler verzichtete auf diesen Kampf. Im Jahr 1909 kam ein britischer Kämpfer namens Hercules O´Brien nach Shanghai und trainierte regelmäßig im Apollo Theater. Nachdem er zahlreiche abschätzige Bemerkungen über die Chinesen gemacht hatte, wurdeHuo von der chinesischen Wushu Delegation eingeladen, um sich mit dem Boxer zu messen. Die beiden Kämpfer wurden sich jedoch nicht einig über die Regeln des Kampfes. Nur mit den Fäusten, und nur über der Gürtellinie nach Meinung des Boxers, oder aber alles zu Erlauben, nach der Meinung von Huo. Erst in einem zweiten Treffen legten sie fest, das derjenige Sieger sei, welcher seinen Gegner zuerst zu Boden bringe. Der Tag des Kampfes kam, doch der britische Boxer nicht!


Neue Gefahr kam von ganz anderer Seite. Zhang Wen Dat,ehemaliger Lehrer des oben erwähnten Banditenanführers, veranstaltete einen einmonatigen Wettkampf, zu dem er alle Teilnehmer einlud. Er hoffte damit Huo Yuan Jia anzulocken. Dieser hielt es aber nicht für nötig sich im Kampf zu beweisen und nahm nicht teil. Deshalb wurde er kurze Zeit später offen von Zhang herausgefordert. Liu Zheng Sheng, bester Schüler vonHuo nahm die Herausforderung für seinen erneut kranken Meister an. Der Kampf brachte jedoch keine Entscheidung und nachdem Zhang Wen Dat ein Friedensangebot abgelehnt hatte, nahm Huo schlussendlich die Herausforderung an. Der Kampf dauerte nur wenige Augenblicke. Mit zwei Bewegungen wurde Zhang ausgeschaltet. Huo sagte zu Zhang Wen Dat, das er nicht gelernt hätte, sich bescheiden zu verhalten. Der Grund weshalb er verloren hatte, lag nicht in einem Mangel an Fähigkeiten sondern daran, dass er aus Rache kämpfte und nicht, um sich selbst spirituell zu verbessern.


Dies ist nur ein kleiner Einblick vieler Geschichten. Es ist unklar wie viele Kämpfe Huo Yuan Jiawirklich bestritt, doch seine Taten rüttelten die Welt der Kampfkünste auf: In einer Zeit als China eine politische Niederlage nach der anderen erlitt, konnte ein Chinese die Oberhand über Ausländer erringen. Er wurde zum Symbol des Widerstandes gegen die westliche Übermacht.